Bestimmt mit, was bleibt!
Die Objekte
Rickmers von oben
Rote Karte von der Ecke
…und heute gibt es Fisch!
Ein Stück Theatergeschichte
Numisnautik aus der Seestadt
Einfach nur Gläser?
Zum Klönschnack bei Lebensmittel Kröncke
Bremerhaven - Meine einzige Liebe
„Das war ja unser Schiff, das haben wir bis zum bitteren Ende betreut“
Die besten Pommes der Stadt!
Mit Herzblut für die VGB
„Ein Teddybär wär´ mir lieber gewesen“
Eine besondere Auftragsarbeit
Abenteuerspielplatz Schuhmacherwerkstatt
Mehr als nur ein Stein
Tanz mit!
Unscheinbar und voller Erinnerungen
Die Bombe im Schlick
Steinbock und Löwe
Erinnerung an ein neues Leben
Aus dem Stadtbild verschwunden
Royaler Besuch
Erinnerungen aus der Kriegsgefangenschaft
Als die Hafenstr. 42 noch keine Ruine war
Im Dienst der Gesundheit
„Für gute Leistungen“
Hallenbad Süd
Ein letztes Mal nach Mittelerde
Alle Mann an Bord?
Von menschenwürdigem Verhalten in Zeiten der Gewalt
Vom Römischen Reich zur Museumsgründung
Nur eine Jacke?
Teil einer Superlative
Gescheiterte Idole
Odyssee eines Bierkrugs
Kollegen von R2-D2?
Rote Karte von der Ecke
In Erinnerung an Zeiten, in denen es in Bremerhaven 'gebrummt' hat, ist mir meine alte Rote Karte eingefallen, mit der die im Hafen geleisteten Schichten für die Lohnauszahlung nachgewiesen wurden. Bremerhaven stand damals wirtschaftlich auf drei Säulen: Der Werftindustrie, die die Stadt mit dem Geknatter der Niethämmer erfüllt hat, der Fischindustrie, welche einzigartige Duftnoten verströmt hat und der Hafenwirtschaft, bei der das Zeitalter der Container noch nicht angekommen war.
Mein Vater, Horst Brischke, hatte damals den Job des Arbeitsvermittlers beim GHB (Gesamthafenbetriebsverein Bremen) inne. Den meisten Hafenarbeitern war er als 'Bubi' bekannt. Ich bekam damals gut mit, welch ein Job rund um die Uhr das war, denn oft mussten die Leute kurzfristig 'beschafft' werden, wenn Schichten zu besetzen waren.
Sein Arbeitsplatz war die Ecke, ein Gebäude was heute noch an der Franziusstraße in Betrieb ist. Stammarbeiter des GHB und andere unstete Arbeitssuchende kamen schon morgens um 6 Uhr an die Ecke, erhielten Arbeit zugeteilt oder auch nicht. Diese Vermittlung an die Hafenbetriebe wie Stauereien (meist bordseitig) oder der Bremer Kajeanstalt (heute BLG und landseitig zuständig) hatte mein Vater letztlich zu verantworten. Da gab es manchmal auch Ärger, wenn sich der eine oder andere der Schauerleute benachteiligt fühlte und Drohungen gegen „Bubi“ und seine Mitstreiter ausstieß: „Dich hole ich da von der Kanzel runter!“
Es lag demnach nahe, dass ich im passenden Lebensalter mit Anfang 20 auch dabei sein wollte, zusammen mit den vielen Schülern, Studenten und Gelegenheitsarbeiter zu der Zeit. Etliche kamen übrigens auch den bäuerlichen Betrieben des Umlandes. Zu allen „Reserven“ pflegte mein Vater die Kontakte und konnte bedarfsgerecht auch kurzfristig telefonisch auf sie zurückgreifen. Ich hatte auch einen Kreis von Kumpels, auf die „Bubi“ sich ebenfalls verlassen konnte, insbesondere bei Schichten am Wochenende (diese dauerten bei vollem Lohn nur 6 Stunden) zum Be- und Entladen von PKWs. Hier war vor allem das Fahren der amerikanischen Fahrzeuge, die die GIs und ihre Familien bei einer Stationierung in Deutschland mitbrachten jedes Mal ein Erlebnis. Aber auch der Transport von Baumwolle, Tapioka, Bananen in Stauden - später in Kartons - oder das Laschen von Fahrzeugen, Haushaltsgut und anderem zu sicherndem Stückgut an Bord und auf Bahnwaggons waren dabei. Eine schöne Besonderheit in der Arbeitswelt am Hafen waren damals „Anschluss“ oder „Fertigmachen“, das brachte gutes Extrageld.
Die Roten Karten sind mein Beitrag an Erinnerungen, welche ich an frühere Zeiten habe. Ich glaube nicht nur ich alleine.