Bierkrug
Er ist schön anzusehen, der Bierkrug mit Zinndeckel und -griff der Firma Villeroy & Boch aus dem 19. Jahrhundert. Das fand offenbar auch ein amerikanischer Besatzungssoldat, der ihn 1946 einem Bremerhavener Hafenarbeiter wegnahm, als er Wohnungen begutachtete, die für US-Offiziere genutzt werden sollten. Später reichte er den Krug an den US-Gefreiten James F. Harding weiter, in dessen Wohnung in den USA er als Erinnerung an Deutschland einen Ehrenplatz erhielt. Doch zunehmend plagten ihn Zweifel, ob der Krug 1946 seinem Vorbesitzer rechtmäßig genommen worden war.
Im Jahr 2002 wandte sich Harding deswegen an den Bremerhavener Oberbürgermeister. Als die Geschichte in der Nordsee-Zeitung veröffentlicht wurde, meldeten sich die Nachfahren des Hafenarbeiters, dem der Krug einst gehört hatte. Mit einer feierlichen Übergabe an die Tochter und Enkelin des Hafenarbeiters kam der Bierkrug dann nach mehr als einem halben Jahrhundert nach Bremerhaven zurück. Heute steht er in der Sammlung für die Besatzungszeit nach 1945 und er dokumentiert den Wandel im deutsch-amerikanischen Verhältnis zwischen einstigen Siegern und Besiegten.