Barbotine-Becher
Im Grunde war es Gebrauchskeramik, provinzialrömische Trinkbecher mit sogenannter „Schlickermalerei“ gegenständlich hübsch verziert. Einst tranken Chauken oder Sachsen aus ihnen. Doch als sie rund 1.600 Jahren von dem Privatgelehrten, Zoologe und Heimatforscher Jan Bohls (1863-1950) nördlich von Bremerhaven ausgegraben wurden, beflügelten sie 1895 den Wunsch nach einem lokalen Museum. Selbstbewusst und stolz auf die lokale Geschichte sollten sie nicht in das Provinzialmuseum in Hannover abgegeben werden, da sie die Verbindung der Marschenbewohner bis ins Römische Reich belegten. Die Becher mit der Barbotine-Technik, wie die Schlickermalerei bezeichnet wird, begründeten deswegen eine archäologische Sammlung des Heimatbundes der Männer vom Morgenstern. 1902 kaufte die Kommune Geestemünde die Sammlung an und präsentierte sie seit Januar 1906 im „Morgenstern-Museum“.
In der Sammlung des Historischen Museums Bremerhaven stehen die Barbotine-Becher deswegen für den Beginn der Sammlung, die Initiative zu einem Geschichtsmuseum sowie das regionale Selbstbewusstsein, das sich 70 Jahre nach der Gründung Bremerhavens entwickelt hatte.