Sonderausstellung
Bremerhaven erfindet sich neu
Aus der Krise zu den Freizeitwelten
1. Oktober 2026 bis 29. März 2027
Mitte der 1990er Jahre befand sich Bremerhaven am Abgrund. Jahrzehnt für Jahrzehnt war eines der wirtschaftlichen Standbeine nach dem anderen in eine Krise geraten. Das Ende der transatlantischen Passagierschifffahrt in den 1960ern, der Wandel in der Hochseefischerei in den 1970ern, die Werftenkrise in den 1980ern und der Abzug der US-amerikanischen Soldaten mit ihren Familien in den 1990ern ließen die Arbeitslosenzahlen in Rekordhöhen steigen. Bevölkerungsschwund und steigende Soziallasten waren die Folge. Während Dekolonialisierung, Glasnost, Wiedervereinigung und Globalisierung andernorts für Euphorie und Wohlstand sorgten, befand sich Bremerhaven im freien Fall.
Der Ausweg erschien auf Hochglanzpapier. Tourismus sollte die wegbrechenden Arbeitsplätze ersetzen. Aus einer Arbeiterstadt sollte eine Urlaubsdestination werden. Einmalige Bundesgelder zur Sanierung des Landes Bremen eröffneten dabei zuvor nie dagewesene Möglichkeiten. Im wirtschaftspolitischen Schulterschluss mit Bremen wurde groß gedacht. Während Bremen mit dem Universum und dem Space-Park zu den Sternen griff, sollte in Bremerhaven ein Ocean Park die Hafenbrachen aus der Gründungszeit zu profitablen Gewerbeflächen der Freizeitindustrie transformieren.
Die Planung des Ocean Parks war der Beginn eines 15-jährigen Erneuerungsprozesses, der in Bremerhaven hochemotional geführt wurde. Nie zuvor und nie wieder danach beteiligten sich so viele Bewohner*innen an einer Diskussion um die Zukunft ihrer Stadt. Es war ein Prozess, bei dem sich neue Abstimmungsstrukturen etablierten. Und es war ein Prozess, der in Bremerhaven als Neuerfindung oder zweite Stadtgründung empfunden wurde, während der Space-Park in Bremen scheiterte.
Das Historische Museum Bremerhaven erinnert an die bunten Visionen, kontroversen Diskussionen und pragmatischen Lösungsansätze jener besonderen Jahre, die das Erscheinungsbild Bremerhavens nicht nur optisch veränderten.