Schiffsporträt der Brigg „JOHANN“

Die Sonderausstellung „Kapitäne und Holzfabrikanten. Die Geestemünder Unternehmerfamilie Kohn 1830–1967“ zeigt die Geschichte einer erfolgreichen Holzfirma und ihrer Inhaber/-innen, aber auch ein spannendes Kapitel der Geestemünder Stadtgeschichte. Franz Johann Syabbe Kohn (1828–1877), der die Firma „Pundt & Kohn“ gründete, verbrachte seine Kindheit zunächst im kurz vor seiner Geburt gegründeten Bremerhaven. Dort arbeitete sein Vater als Hafenlotse und später als Kapitän, bevor er auf der Ostsee verschollen blieb. Trotzdem zog es auch den jungen Franz J. S. Kohn zur Seefahrt. Mit finanzieller Unterstützung seines Stiefvaters legte er sein Examen an der Steuermann-Schule in Bremen ab und fuhr schon mit 22 Jahren als Kapitän zur See. Wie für einen Bremerhavener Kapitän nicht anders zu erwarten wäre, fuhr er Auswanderer nach Nordamerika. Diese Fahrten dauerten Mitte des 19. Jahrhunderts noch sechs bis acht Wochen. Bei ungünstigen Wetterbedingungen konnten die Reisen auch deutlich länger andauern.

Kaum zu glauben, dass auf der gerade mal 27 Meter langen Brigg „JOHANN“ bis zu 150 Passagiere im Zwischendeck einschifften. Dieses Schiff, das der Marinemaler Carl Justus Harmen Fedeler (1799–1858) noch kurz vor seinem Tod für Kapitän Kohn auf einem Gemälde festhielt, hatte sich Kohn 1853 in Elsfleth bauen lassen. Auf dem Gemälde, das vom Deutschen Schifffahrtsmuseum als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde, ist das Schiff unter vollen Segeln im Wind liegend zu sehen. Obwohl Kapitän Kohn die Seefahrt liebte, gab er sein Seemannsleben 1862 aber auf, um in das Geestemünder Holzgeschäft einzusteigen. Denn durch die aufkommende Dampfschifffahrt entstand der Segelschifffahrt immer größere Konkurrenz  und durch die langen Reisen blieb ihm auch wenig Zeit für die Familie. Immerhin war er schon dreifacher Vater. Wie seine Geschichte weitergeht, steht im nächsten Beitrag!

Foto: Historisches Museum Bremerhaven

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