Ein Geestemünder Unternehmer

Der wirtschaftliche Aufstieg von Geestemünde im 19. Jahrhundert war eng mit den Namen erfolgreicher Unternehmer verbunden, die sich auch politisch und sozial engagierten und eng miteinander vernetzt waren. Einer dieser Unternehmer war der 1857 geborene Holzhändler und Fabrikant Franz Kohn. In den vorherigen Beiträgen ging es bereits um seinen wirtschaftlichen Erfolg und sein politisches Engagement. Doch Kohn war darüber hinaus in vielen weiteren Institutionen tätig. Wie viele seiner Kollegen betätigte er sich als Reeder. Gemeinsam mit Johann Stadtlander bereederte er die beiden Dampffrachtschiffe „NORD“ und „OST“. Die „NORD“ war 1889 auf der berühmten Tecklenborg-Werft in Geestemünde gebaut worden und lieferte Holz für „Pundt & Kohn“ aus dem Ostseegebiet.

Für die Interessen der Holzindustrie setzte sich Kohn auch gemeinsam mit seinem Konkurrenten Christian Külken ein. Sie erwirkten unter anderem eine Resolution gegen die Erhöhung der Zölle auf Bau- und Nutzholz im Jahr 1885. In den Jahren 1892 bis 1894 gehörte Kohn gemeinsam mit dem Fischgroßhändler Wilhelm Bade dem Bezirkseisenbahnrat zu Hannover an. Gemeinsam hatten sie auch die Wiedergründung der Handelskammer 1889 in die Wege geleitet und im Geestemünder Magistrat als Senatoren gewirkt. In der Handelskammer übernahm Kohn übrigens 1908 noch das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden, den Vorsitz hatte Christian Külken inne. Daneben engagierte sich Franz Kohn in mehreren Vereinen für kulturpolitische Interessen. Außerdem zeigte er eine ausgeprägte Sozialfürsorge. „Pundt & Kohn“ verfügte über eine eigene Betriebskrankenkasse und mit einer Wohnsiedlung für seine Arbeiter südlich des Geestemünder Friedhofs legte Kohn 1893 den Grundstein für den sozialen Wohnungsbau in Geestemünde. Ein viel beschäftigter Mann, der von seinen Arbeitern in seinem Nachruf als „gütiger, äussert gerechter und uns jederzeit wohlwollender Chef“ bezeichnet wurde.

Foto: Historisches Museum Bremerhaven

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