Künstlerische Impressionen von Heiner Palinkas

Sonderausstellung 25.06.-30.10.2016

Bis zum 30. Oktober 2016 lud das Historische Museum Bremerhaven seine Besucher/-innen zu einer künstlerischen Reise um die Welt ein, bei der man fremde Häfen und Kulturen entdecken konnte. Der Bremerhavener Künstler Heiner Palinkas (1913 Lehe – 2004 Berlin) bereiste als Seemann 37 Jahre lang alle Kontinente und brachte von seinen Reisen künstlerische Impressionen mit, die sein außergewöhnliches malerisches Talent belegen. Das Historische Museum Bremerhaven hat diesem herausragenden Künstler nun eine große Werkschau gewidmet.

Der Nachlass

2015 stifteten die vier Kinder von Heiner Palinkas den gesamten biografischen und künstlerischen Nachlass ihres Vaters dem Historischen Museum Bremerhaven. Der Nachlass war nach dem Tod des Vaters in einem Container in Berlin eingelagert worden und kehrte nach zehn Jahren zurück nach Bremerhaven. Über 2000 Exponate inventarisierte das Museumsteam, davon mehr als die Hälfte künstlerische Arbeiten. Das vielseitige Werk des Malers umfasst Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Drucke. Für die Ausstellung mussten viele Werke zunächst restauriert werden. Die Museumsrestauratorin erhielt dabei Unterstützung von einer angehenden jungen Gemälderestauratorin, die ihre Bachelorarbeit über Heiner Palinkas verfasste.

Der Künstler

Heiner Palinkas wurde 1913 in Lehe geboren. Sein künstlerisches Talent wurde schon in der Schule von dem Bremerhavener Expressionisten Paul Kunze gefördert. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler studierte er an der Kunstgewerbeschule in Bremen bei den Professoren Willy Menz und Alphons Maria Frieling. Der nationalsozialistische Zeitgeist, der ab 1933 bei der Hochschule eingezogen war, führte zum Abbruch des Studiums. Nach einem Praktikum beim Worpsweder Maler Albert Schiestl-Arding und Phasen der Arbeitslosigkeit entschloss sich Palinkas 1937 zu einer Ausbildung als Funker an der Seefahrtschule in Wesermünde und startete damit seine Seefahrtkarriere.
Bis 1975 fuhr Palinkas als Funkoffizier und Zahlmeister auf Fischdampfern, U-Booten, Passagier- und Frachtschiffen zur See und brachte im Seesack seine künstlerischen Impressionen aus aller Welt mit. Zweimal unterbrach Palinkas seine Seefahrtzeit, um an der Kunstakademie in München zu studieren. Palinkas war zeitlebens Künstler aus Leidenschaft, musste aber den Unterhalt für sich, seine Frau und vier Kinder mit der Seefahrt verdienen. Bremerhaven verließ er erst 1999, seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einem Wohnstift bei Berlin.

Das Werk

Heiner Palinkas wurde vom Expressionismus geprägt, fand aber zu einem eigenen, unverwechselbaren Stil.  Seine Gemälde beeindrucken durch den virtuosen Einsatz der Farbe, die flächige Malweise betont die oft stark reduzierte Form. Dem Maler kam es darauf an, Momentaufnahmen einzufangen, die das Typische einer Landschaft oder das Charakteristische von Personen zeigen, was ihm meisterhaft gelang. Eine andere Farbigkeit strahlen seine Aquarelle aus, die durch ihre Leichtigkeit und zuweilen pastellartige Farbigkeit bestechen. Die Zeichnungen und Skizzen spiegeln seine gute Beobachtungsgabe wider. Eine feine Ironie durchzieht seine Karikaturen, die sich überwiegend mit dem Seemannsleben auseinandersetzen. Das druckgrafische Werk umfasst vor allem Holzschnitte und -stiche sowie einige Radierungen.

Die Ausstellung

Die Ausstellung im Historischen Museum Bremerhaven gliedert sich in ein Biografisches Kabinett und eine künstlerische Reise um die Welt. Im Biografischen Kabinett können sich die Besucher/-innen ausführlich über Leben und Werk von Heiner Palinkas anhand von Dokumenten, Fotos und Kunstwerken informieren. Palinkas wäre gerne ausschließlich Künstler gewesen, brauchte aber seinen Funkerberuf zur finanziellen Absicherung. Andererseits ermöglichte es ihm die Seefahrt, rund um die Welt einzigartige Motive zu entdecken.

In der Ausstellung können die Besucher/-innen mit Heiner Palinkas eine Reise um die Welt unternehmen und fremde Häfen und Kulturen entdecken. Fahnen weisen ihnen den Weg. Die Reise beginnt im Nordatlantik, hier war Palinkas auf Fischdampfern und U-Booten unterwegs und malte die eisige Schönheit Grönlands und die harte Arbeit der Hochseefischer. Auf Passagier- und Frachtschiffen fuhr Palinkas häufig nach Amerika, oft wurde er aber auch auf Frachtern auf der Ostasienroute eingesetzt. Die monatelange Reise führte durch den Suez-Kanal nach Asien und von dort nach Australien. Eine Vielzahl von Häfen wurde angelaufen, unterwegs wechselten mehrfach der Kurs und die Ladung.

Der Ausstellungsrundgang führt weiter nach Asien, wo Dschunken sowie schöne und fleißige Asiatinnen den Maler fesselten. In Nordafrika beeindruckten ihn die Farbe des Himmels und die verschiedenen Ansichten von Port Sudan. Australien wartet mit einer sehr vielfältigen Landschaft auf: Wüste, Sandstrände und Buschlandschaften. Den größten und abwechslungsreichsten Raum in der Ausstellung nimmt Amerika ein. Insbesondere von der Karibik, von Mittel- und Südamerika hat Palinkas viele Motive verarbeitet. Hier haben ihn nicht nur verschiedene Landschaftsformen, sondern insbesondere die Menschen inspiriert.

Die Reise endet in der Heimat, in Norddeutschland und Europa. Palinkas hat in seiner Heimatstadt Bremerhaven relativ wenig Motive gefunden. Das Umland mit den weiten Marschlandschaften oder die kleinen Kutterhäfen haben ihn mehr zum Malen angeregt. Aber nicht nur die Küste, sondern beispielsweise auch die Bergwelt in der Schweiz hat der Maler in beeindruckender Farbigkeit festgehalten.

Die Sponsoren

Die Realisierung der Ausstellung erfolgte mit freundlicher Unterstützung der Weser-Elbe-Sparkasse als Hauptsponsor, des Veranstaltungsfonds Bremerhaven des Landes Bremen und des Förderkreises Historisches Museum Bremerhaven e. V.

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