Alles über Passagierlisten der Auswandererschiffe

Die Deutsche Auswanderer-Datenbank am Historischen Museum Bremerhaven ist ein Forschungsprojekt über die europäische Auswanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika im Zeitraum von 1820 bis 1939. Grundlage der Deutschen Auswanderer-Datenbank sind die Passagierlisten der Auswandererschiffe, die über vornehmlich deutsche Häfen Europa in Richtung USA verlassen haben. Zur Zeit sind die Passagierlisten der Jahre 1820 bis 1897, 1904 und 1907 digital erfasst. Zu rund 4,7 Millionen Auswanderern liegen rund 70 Millionen Einzeldaten vor.

Zu den Projektzielen der Deutschen Auswanderer-Datenbank, zur Geschichte der Passagierlisten sowie zu der Frage, wie man die Listen für Recherchen nutzen kann, haben Dr. Anja Benscheidt und Dr. Alfred Kube vom Historischen Museum Bremerhaven nun ein Buch herausgegeben. Zusammen mit drei weiteren Autoren erläutern sie alles Wissenswerte zu den Auswanderer-Passagierlisten als Forschungsquelle.

"Anlass für das Buch waren zahllose Anfragen, vor allem aus den USA, die mehr über die Deutsche Auswanderer-Datenbank und besonders über die Passagierlisten erfahren wollen", berichtet der Projektleiter der Deutschen Auswanderer-Datenbank, Dr. Alfred Kube. Von den zehn Kapiteln des Buches hat das Autorenteam gut die Hälfte geschrieben. So erfahren die Leser der zweisprachigen Veröffentlichung in Deutsch und Englisch etwas über die Forschungsschwerpunkte des Historischen Museums Bremerhaven, unter denen die Migrationslogistik eine besondere Rolle spielt.

Neben einem Kapitel über die Geschichte der Auswanderung über Bremerhaven nehmen die Erläuterungen zur Entwicklung und zum Inhalt der Passagierlisten der Auswandererschiffe breiten Raum ein. Hier wird erklärt, warum 1820 zu jedem Auswanderer nur sieben Angaben, um 1900 jedoch schon über 40 Angaben festgehalten wurden. In dem Kapitel von Ulrike Schmidt werden die Einträge auf den Passagierlisten ausführlich erläutert.

Der Diplom-Informatiker und Systemadministrator der Deutschen Auswanderer-Datenbank, Thimo Plaumann, legt in einem weiteren Kapitel die datentechnische Struktur der Deutschen Auswanderer-Datenbank anschaulich und allgemein verständlich dar. Für alle, die sich für ausgewanderte Vorfahren interessieren, sind die abschließenden Kapitel besonders interessant. Kerstin Ehlert stellt den Rechercheservice der Deutschen Auswanderer-Datenbank vor und Ulrike Schmidt listet auf 12 Seiten wichtige Adressen zur Auswanderer-Recherche auf. Alle abgedruckten Projekte zur Auswanderer-Recherche sind darüber hinaus kommentiert, so dass dies ein hilfreiches Nachschlagewerk für alle ist, die sich mit ausgewanderten Vorfahren beschäftigen.

Ermöglicht wurde die Herausgabe des Buches durch die Kulturstiftung der Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln, die von 1998 bis heute die Entwicklung und den Ausbau der Deutschen Auswanderer-Datenbank im Historischen Museum Bremerhaven zur größten europäischen Datenbank zur Auswanderung nach Nordamerika ideell und finanziell unterstützt. "Dieses große Engagement der Kreissparkasse entspricht der Bedeutung des Themas Auswanderung nicht nur für die Stadt Bremerhaven, sondern auch für die gesamte Region", erläutert Dr. Götz Pätzold, Vorstandsvorsitzender und Vorsitzender der Kulturstiftung der Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln. 

Die Deutsche Auswanderer-Datenbank zeichnet sich dadurch aus, dass sie ohne öffentliche Zuschüsse auskommt und sich nur aus Stiftungen und Einnahmen finanziert. Träger der Deutschen Auswanderer-Datenbank ist der Förderkreis Morgenstern-Museum, der dem Historischen Museum Bremerhaven die Datenbank zu Forschungszwecken zur Verfügung stellt.

Anja Benscheidt und Alfred Kube (Hg./Ed.),
Die Deutsche Auswanderer-Datenbank.
Passagierlisten als Forschungsquelle. /
The German Emigrants Database.
Passenger manifests as a research source.
(Historisches Museum Bremerhaven. Kleine
Schriften, Band 7), Bremerhaven 2006 
80 Seiten, 40 Abbildungen
ISBN  3-931285-01-4
Preis: 12,80 Euro